DRK-Suchdienst München

Nachkriegsverschollene

Das offizielle Ende des 2. Weltkriegs bedeutete keinesfalls das Ende der Trennung von Menschen.

Die gesetz- und rechtlosen Nachkriegsjahre haben in allen Besatzungszonen zum spurlosen Verschwinden von Familienmitgliedern geführt. Der Suchdienst befasst sich nicht nur mit Ereignissen der unmittelbaren Kriegszeit, sondern wird auch mit Suchfällen konfrontiert, die in den nachfolgenden Jahrzehnten ausgelöst und bis in die Gegenwart reichen.

In der Sowjetischen Besatzungszone sind durch den Geheimdienst NKWD 123.000 Personen, ohne Benachrichtigung der Angehörigen, in Geheimlager verbracht worden. Nahezu ein Drittel davon sind ums Leben gekommen und heimlich an unbekanntem Ort verscharrt worden. Tausende sind in die Sowjetunion deportiert oder bis zu den berüchtigten Waldheimprozessen von der DDR- Regierung festgehalten worden.

Über Tausend Deutsche sind noch bis zum Tode Stalins 1953 an die Sowjetunion ausgeliefert, dort hingerichtet und auf dem Donskoje Friedhof eingeäschert worden.

Die Besatzungssoldaten hinterließen weit über 100.000 Kinder in Deutschland, die in den seltensten Fällen zu Familiengründungen führten. Frauen lebten unter Bedingungen, die sie zwangen, ihre Kinder zur Adoption freizugeben.

Durch die kriegsbedingte Teilung Deutschlands wurden weitere unzählige Menschen voneinander getrennt. Sogenannte Republikflüchtige oder Opfer der Grenzziehungen werden bis heute von den Angehörigen gesucht.

Die politischen Ereignisse des August 1989 bis hin zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten löste Flüchtlingsströme (Übersiedler) aus, in deren Folge weitere Familien getrennt wurden. Den Suchdienst erreichten in diesem Zeitraum allein über 40.000 Suchanfragen nach Ehemännern und Vätern, die aus der DDR kommend sich nicht mehr bei ihren Familien gemeldet haben.

Deutschstämmige Personen aus der Russischen Föderation oder aus den mittelasiatischen GUS-Staaten gerieten während des 2. Weltkrieges zwischen die Fronten und bemühen sich nach ihrer Aufnahme als Spätaussiedler in Deutschland um den Verbleib abhanden gekommener Familienmitglieder.

Die Suchanliegen der von all diesen Ereignissen betroffenen Personen halten unvermindert an. Der 2. Weltkrieg und seine fatalen Folgen wirken bis in unsere Gegenwart und mit Sicherheit noch bis in eine mittlere Zukunft.