DRK-Suchdienst München

“NKWD-Lager” dauerhaft enttabuisieren

Dr. Seiters: "Wir begrüßen die Initiative des Mauermuseums am Checkpoint Charlie, die Listen der in den NKWD-Speziallagern Verstorbenen den internationalen Museumsbesuchern zugänglich zu machen. Damit haben die Betroffenen die Möglichkeit, aktiv beim DRK-Suchdienst München nach ihren Angehörigen zu fragen und damit Gewissheit über ihr Schicksal zu erhalten. Das Kapitel NKWD-Lager ist im Bewusstsein der Menschen – vor allem in den neuen Bundesländern – noch lange nicht abgeschlossen. Die Ausstellung wird dazu beitragen, das bisherige Tabu-Thema endgültig und dauerhaft zu enttabuisieren."

Tausende Todesopfer in "Speziallagern" des sowjetischen Geheimdienstes

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg wurden vom sowjetischen Geheimdienst NKWD in der Sowjetischen Besatzungszone mehrere "Speziallager" errichtet und weit über 100.000 Menschen interniert. In diesen Lagern, teils ehemalige Konzentrationslager der Nationalsozialisten, kamen zwischen 1945 und 1950 über 43.000 Menschen ums Leben. Ihre Angehörigen erfuhren nichts von ihrem Schicksal.

DRK-Suchdienst hilft bei der Aufklärung von ungewissen Schicksalen

Img_3712Auf dem Foto (DRK): Abteilungsleiter des DRK-Suchdienstes München Heinrich Rehberg (li.) und DRK-Präsident Dr. Rudolf Seiters im Gespräch

 

Bis zu 60 Jahre lebten die Angehörigen ohne verlässliche Nachrichten über diese Menschen, denn in der ehemaligen DDR waren die NKWD-Lager ein Tabu. Erst nach der Wende – durch die Auswertung der Unterlagen aus der ehemaligen Sowjetunion – gelang es dem DRK-Suchdienst, Klarheit über den Verbleib der 43.000 Todesopfer zu erlangen.

Das russische Innenministerium übergab 1992 dem DRK-Suchdienst die Liste der Todesopfer inklusive weiterer Unterlagen. Bei der Bearbeitung der Anfragen konnte der DRK-Suchdienst auf eine umfangreiche Kartei mit über 900.000 Karteikarten zurückgreifen. Sie war seit 1948 von der durch Dr. Rainer Hildebrandt gegründeten "Kampfgruppe gegen die Unmenschlichkeit" und ihrem Suchdienst zusammengestellt worden. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit macht das von Hildebrandts Witwe geführte Mauermuseum heute die Liste der Todesopfer den Besuchern zugänglich – verbunden mit der Hoffnung, dass noch einige Angehörige darauf aufmerksam werden und über den DRK-Suchdienst München zuverlässige Auskunft erhalten.

Angehörige können sich direkt mit uns in Verbindung setzen:

Tel: 089 / 68 07 73-0

Fax: 089 / 68 07 45 92

info@drk-suchdienst.org