DRK-Suchdienst München

Aktuelle Konflikte und Katastrophen

Die aktuellen Konflikte und Katastrophen der Neuzeit reißen immer von neuem Familien auseinander. Seit Ende des 2. Weltkrieges hinterließen über 350 kriegerische Auseinandersetzungen Elend und Leid.

Einer der ersten Nachweltkriegskonflikte, mit denen der Suchdienst konfrontiert wurde, war der Vietnamkrieg. Ca. 40.000 Kontingentflüchtlinge aus Vietnam wurden Ende der 60er Jahre von der Bundesrepublik aufgenommenen. Sie waren sowohl Suchende wie auch Gesuchte. Unter zum Teil äußerst dramatischen Umständen von ihren Angehörigen getrennt, wussten sie nicht, ob diese überlebt hatten und wo sie sich seinerzeit aufhielten. Der Vietnamkrieg ist auch ein weiteres überzeugendes Beispiel für die lange währende suchdienstliche Herausforderung nach dem Trennungsereignis. Während dieses seit Jahrzehnten aus den Schlagzeilen der Medien und den Überlegungen der Politiker verschwunden ist, treffen beim Suchdienst noch heute Anfragen nach den Opfern ein.

Es folgte der erste Golfkrieg zwischen dem Irak und dem Iran 1980, in dessen achtjährigem Verlauf über eine Million Menschen starben und Hunderttausende in Gefangenschaft gerieten. Die BRD und damit auch der DRK-Suchdienst waren davon insofern betroffen, als zu dieser Zeit geschätzte 200.000 Menschen aus Iran und Irak in Deutschland lebten und berechtigte Sorge um ihre Angehörigen hatten. Für einen irakischen Kriegsgefangenen war der Suchdienst 10 Jahre lang die einzige Verbindung zu seinen Angehörigen in der Bundesrepublik.

Die Balkankonflikte in den 1990er Jahren trafen die über eine Million in Deutschland lebenden Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien besonders hart. Die familiären Verbindungen in ihre Herkunftsländer existierten weiterhin, obwohl sie teilweise schon jahrzehntelang in Deutschland lebten. Mit ihren Angehörigen im isolierten und belagerten Bosnien und insbesondere Sarajewo konnten sie nur über Rotkreuzkanäle in Verbindung treten. Mit Hilfe von weit über 500.000 Rotkreuz-Nachrichten wurde während des Krieges von 1992 bis 1995 die Kommunikation zwischen den Familienmitgliedern in Deutschland und in Bosnien aufrechterhalten. Der Kosovo-Konflikt löste beim Suchdienst ca. 200.000 Anfragen aus. Die Familiennachrichten wurden zum Teil durch die Bereitstellung telefonischer Kontaktmöglichkeiten abgelöst.

Der jüngste Irakkrieg betraf auch wiederum viele in Deutschland lebende Menschen. Erstmals setzte das Internationale Rote Kreuz das Internet bei der Klärung von Vermisstenschicksalen und der Verbindungsaufnahme zwischen den getrennten Angehörigen ein. Die elektronische Möglichkeit wurde von Tausenden Suchenden im Irak und aller Welt intensiv genutzt. Gleichwohl ist das Internet nicht in der Lage die klassische Suchdienst-Arbeitsweise, d.h. die traditionellen Suchanfragen und sog. Rotkreuz-Nachrichten, zu ersetzen. Als ein weiteres Instrument kamen sogenannte „Safe and Well“-Nachrichten verstärkt zum Einsatz. In den Büros des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) im Irak wurden Namen und Telefonnummern der Besucher entgegengenommen und über die nationalen Suchdienste als kurze Überlebensbotschaft an die Angehörigen weitergeleitet.

Katastrophen stellen eine ähnliche Herausforderung für den Suchdienst dar. In enger Zusammenarbeit mit der Nationalen Rotkreuz- oder Rothalbmondgesellschaft des betroffenen Landes, werden Suchanliegen und Rotkreuz-Nachrichten ausgetauscht. Das Erdbeben von 1999 in der nordwestlichen Türkei löste beispielsweise über 40.000 Anfragen aus.

Folgende Aufgaben nimmt der DRK-Suchdienst München bei aktuellen Konflikten und Katastrophen wahr:

  • Suche nach vermissten Familienangehörigen in Konflikt- und Katastrophengebieten
  • Entgegennahme und Weiterleitung von sog. Rotkreuz-Nachrichten – persönlichen Nachrichten an Ihre Verwandte, wenn der normale Postweg und die Telefonverbindung unterbrochen sind.

Die Suchdienstarbeit erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Zentralen Suchdienst des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK) in Genf und den Nationalen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften.

Für weiterführende Informationen wenden Sie sich bitte an:
info@drk-suchdienst.org oder telefonisch 089/ 680773-111.